[Dokumentation] Hamburger in Hamburg
Exklusiv
Index
1.0. Zu Beginn
-1.1.Einführung
-1.2. Generelle Informationen
2.0. Die kulturellen Hauptgruppen
-2.1. Waldbewohner
-2.2. Dorfbewohner
-2.3. Stadtbewohner
3.0. Neue Erkenntnisse
-3.1. Nächtliche Tour
-3.2. Fortpflanzung
-3.3.0. Hamburgerbiologie
--3.3.1. Allgemeine biologische Eigenschaften
--3.3.2. Gurkigkeit
--3.3.3. Verwandte Arten
4.0. Alles Weitere
-4.1. Ein Experiment
-4.2. Amateuraufnahmen von Hamburgern
5.0. Versteckte Informationen
-5.1. Was zwischen den Zeilen steht
-5.2. Das Ende vom Lied
1.0. Zu Beginn
1.1. Einführung
Allseits gegenwärtig und doch rätselhaft unbekannt ist der Hamburger bereits ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft, der sich über die Jahrhunderte langsam einschlich und nun als grundlegend vorhanden vorausgesetzt wird, ohne dass sich irgendjemand detailliert mit Herkunft und Eigenschaften auseinandersetzen würde. Er ist wie die Luft, die wir atmen, das Wasser, das wir trinken, die Zeitung, die wir auf einem Sitz in der U-Bahn finden und bis zu unserer Endhaltestelle durchblättern. So, wie sich niemand darum schert, wer diese Zeitung dort liegengelassen hat, so kümmert sich auch niemand darum, woher der Hamburger eigentlich stammt, und wie er dort hinkommt, wo wir ihn haben wollen; in eine Juniortüte. Um mit Vorurteilen und insbesondere auch Voreingenommenheiten aufzuräumen wurde in dieser Dokumentation das gesamte Wissen über Hamburger kompakt und leicht verständlich zusammengefasst, um auch der breiten Masse zugänglich zu sein. Insbesondere soll hier die großstadtbewohnende Art der Hamburger beschrieben werden, doch zunächst seien einige allgemeine Informationen als Basiswissen vermittelt.
1.2. Generelle Informationen
Der Hamburger an und für sich wird heutzutage in unseren Gefilden kaum noch in freier Wildbahn gesehen, gilt, sofern frei lebend, als geschützte und vom Aussterben bedrohte Art, die mit ihrem Verwandten in den Produktionshallen kaum noch etwas gemein hat. Während die Industriehamburger ihre kurze Lebensspanne damit fristen, sich zu vermehren (siehe Abschnitt 3.1, Fortpflanzung), um dann auf einem Plastiktablett serviert zu werden, haben die wenigen noch in freier Wildbahn lebenden Exemplare eine eigenständige Art von Kultur entwickelt, die sie sich in vielen Fällen von den Menschen in ihrer Umgebung abgeschaut haben. Zu unterscheiden sind bei den freilaufenden Hamburgern jedoch drei große Hauptgruppen, die sich in noch weitere Untergruppen unterteilen lassen. Als Hauptgruppen gelten die Stadtbewohner, die Landbewohner und die Waldbewohner. Jede Unterart ist zwar auf der gleichen Stufe der Evolution, hat jedoch eine grundlegend andere Kultur entwickelt, wodurch eine Differenzierung im Allgemeinen als sinnvoll angesehen wird und so auch hier vorgenommen werden soll.
2.0. Die kulturellen Hauptgruppierungen
2.1. Waldbewohner
Die Waldbewohner gelten gemeinhin als zahlenmäßig größte Gruppierung der Hamburger, auch wenn keine exakten Beträge vorliegen. Man schätzt die Gesamtanzahl aller in Deutschland lebenden Waldhamburger auf rund zweitausend. Da diese Art jedoch bevorzugt an für den Menschen unzugänglichen Orten haust, lässt sich über ihre tatsächliche Anzahl kaum etwas sagen. Auch ist ihre tatsächliche Kultur weitestgehend unbekannt, da den Menschen nur selten die Möglichkeit gegeben ist, eine Gruppe beziehungsweise ein Rudel von Hamburgern auf längere Zeit hin zu observieren. Fest steht jedoch, dass es sich um eine hierarchische Gesellschaftsstruktur handelt, in der es einen Alphaburger beziehungsweise Königsburger gibt, der generell daran zu erkennen ist, dass er eine Art Kopfbedeckung trägt. Diese kann vom einfachen Blatt bis hin zu einem gefundenen Gummistiefel reichen, je nachdem, was zur Hand ist. Der Alphaburger nimmt offenbar als einziges Mitglied der Gesellschaft überhaupt keine Funktion ein. Die restlichen Hamburger lassen sich in eine Art gleichberechtigtes Klassensystem einteilen. Die größte Gruppierung stellen hier die Jäger und Sammler dar, die tagtäglich auf die Jagd gehen und Früchte einsammeln. Bevorzugt jagen die Hamburger hierbei nach größeren Insekten, doch ist es auch schon vorgekommen, dass ein größeres Rudel eine Kuh erlegen konnte. Gesammelt werden hauptsächlich Beeren und Honig, wenn vorhanden auch Früchte.
Die zweite Gruppierung, weitaus kleiner, besteht aus Konstrukteuren, deren Aufgabe darin besteht, zeitweilige Lager zu errichten, nach Möglichkeit wind- und regengeschützt. Waldhamburger siedeln sich generell lediglich für höchstens zwei Wochen an einem Ort fest an und reisen danach wieder weiter, ihr Lager zurücklassend. Nur Werkzeuge und Vorräte werden mitgenommen, die Konstrukteure errichten beim Finden eines geeigneten Ortes innerhalb weniger Stunden eine neue Unterkunft für den gesamten Stamm. Als Baumaterial werden meistens Blätter und Geäst verwendet, Ziegelsteine und Beton nur selten. Oft versuchen die Konstrukteure, die Umweltgegebenheiten so zu nutzen, dass etwa eine Steinwand auch als Unterkunftswand dient.
Die dritte Gruppierung im Gesellschaftssystem der Hamburger machen die Entertainer aus. Einige von ihnen sind flötenspielende Barden, andere Schauspieler oder Dichter – ihnen allen bleibt aber gemein, dass ihre Werke innerhalb von dreißig Sekunden vorgeführt werden können, Dichter benötigen meistens gar weniger als fünf Sekunden pro Stück; und diese Zeitersparnis ist in Anbetracht der kurzen Lebensspanne des FastFoods auch nur logisch.
Die vierte Gruppierung, die der Beleuchtungstechniker, wurde nach langem hin und her wegrationalisiert.
Die Waldbewohner sind weitestgehend Anhänger von Naturreligionen oder Agnostiker.
Ihre Freizeit verbringen sie hauptsächlich mit Twister.
2.2. Dorfbewohner
Die Dorfbewohner unter den Hamburgern leben generell in unmittelbarer Nähe von Dörfern, sie sind im Gegensatz zu ihren im Wald lebenden Artgenossen sesshaft, legen ihre Miniaturdörfer jedoch meistens an Orten an, an denen ein Mensch nie nachschauen würde, da er gar nicht erst auf die Idee käme, dass dort etwas sein könnte, das von Interesse ist, geschweige denn ein Hamburgerdorf. Leider haben wir keine Ahnung, wo das sein könnte. Von daher lässt sich über die Dorfbewohner eigentlich kaum etwas sagen, weder sind Gesellschaftsstruktur noch Details über kulturelle Ausprägung tiefgehend erforscht. Einzig ist bekannt, dass sie bevorzugt Hosenanzüge, weiße Hemden und Strohhüte tragen, außerdem scheinen sie Paare zu bilden, was eigentlich vollkommen widersinnig ist, wenn man ihre Art der Fortpflanzung (siehe Abschnitt 3.2) beachtet. Sie scheinen dieses Verhalten von ländlichen Menschen übernommen zu haben, ebenso ihre allgemeine christliche Ausprägung. Hier gibt es wie auch bei den Menschen katholisch und protestantisch orientierte Gruppierungen, andere Glaubensrichtungen sind bisher bei den Landbewohnern noch nicht beobachtet worden. Diese beiden Hauptgruppierungen scheinen jedoch ohne weitere Konflikte miteinander zu leben. All dieses Wissen basiert ausschließlich darauf, dass man die sogenannten Landhamburger bei ihren sonntäglichen Kirchenbesuchen beobachtet hat. Sie ließen auf den Sitzbänken mitunter Spuren von verschiedenen Getreidesorten zurück, die im näheren Umfeld nicht angebaut wurden, was darauf schließen lässt, dass sie entweder separat Landwirtschaft betreiben oder aber oft weite Reisen unternehmen. Die Tatsache, dass noch nie ein Hamburger im Beichtstuhl gesehen wurde, lässt darauf schließen, dass sie entweder nicht sündigen oder aber diesen Brauch nicht übernommen haben, womöglich aber auch nicht zur Sprache befähigt sind. Natürlich lässt sich dies nicht genau sagen, doch das wird niemanden davon abhalten, wild zu spekulieren. Dass sie beispielsweise kein Schuhwerk tragen mag ein Anzeichen japanischer missverstandener kultureller Einflüsse sein; möglicherweise könnte diese Art davon ausgehen, dass zu Hause keine Schuhe zu tragen sind, gleichzeitig könnten die Individuen der Spezies glauben, Weltbürger zu sein, wodurch sie überall zu Hause wären. Gegenläufige Theorien besagen, dass Hamburger keine Beine haben.
Dorfhamburger reagieren gleichgültig auf Plastikuntersätze mit Punktmuster, woraus ersichtlich ist, dass die Zuneigung zu Twister bei Waldbewohnern kulturell und nicht genetisch bedingt ist.
Ihre Religion ist, wie gesagt und soweit bekannt, christlich.
Sie spielen bevorzugt Reise nach Jerusalem.
2.3 Stadtbewohner
Diese dritte kulturelle Unterspezies galt bis noch vor kurzem als die am wenigsten erforschte, da sie nachtaktiv ist und sich hauptsächlich an schlecht belichteten Orten aufhält. Die Theorie, dass sie die Drogenhändler der Fast-Food-Welt wären erscheint zwar fragwürdig, hält sich jedoch bisher relativ stabil und konnte nicht widerlegt werden, jedoch ebenso wenig bewiesen. Ebenso konnte weder belegt noch widerlegt werden, dass sie in Wahrheit die Führungspositionen aller Nationen kontrollieren, auch wenn vieles dafür sprechen mag.
Es gibt noch eine Reihe von weniger glaubwürdigen Theorien, die aufgrund ihrer wissenschaftlichen Irrelevanz hier nicht weiter beachtet werden sollen. Stattdessen berufen wir uns auf den Erfahrungsbericht eines Wissenschaftsteams aus Hamburg, das just auf die Idee kam einmal zu versuchen das nächtliche Leben der Hamburger unter die Lupe zu nehmen und spontan mit einer Kamera loszog. Der Erfolg gilt auf dem Gebiet der diesbezüglichen Forschung als bahnbrechend, was auch mit Anlass zu dieser Dokumentation gab. Die folgenden Abschnitte befassen sich detailliert mit den neugewonnen Erkenntnissen.
3.0. Neue Erkenntnisse
3.1. Nächtliche Tour
[...] [Wir] begannen unsere Reise nahe des Kongresszentrums am Bahnhof Dammtor und versorgten uns erst einmal mit dem nötigsten, Batterien für die Kameras, etwas zu essen, ein paar Getränke und natürlich professionelle Passfotos. Danach verließen wir den Bahnhof in westlicher Richtung und schritten die Anhöhe zum benannten Kongresszentrum hinauf. Wir waren nur zu dritt und hatten lediglich eine Kamera zur Verfügung, der Rest der Truppe war mit dem anderen Filmmaterial gerade bei Dreharbeiten beschäftigt. Das Team hatte sich noch über uns lustig gemacht – ihr wollt Hamburger fotographieren? [...] Wir glaubten eigentlich selbst kaum daran, doch wir sollten eher Erfolg haben, als wir uns je erhofft hätten. An einer Treppe nahe des Parks blieben wir stehen, um die Blitzfunktion unserer Kamera auszutesten – auf dem Display sahen wir uns die beiden Testbilder an und waren geschockt. Auf dem ersten Bild (Bild 1.1) war eindeutig ein Hamburger in voller Montur zu sehen, auf dem zweiten (Bild 1.2) jedoch war er schon wieder verschwunden. Unsere Kamera hatte gewackelt, dennoch war er in Windeseile wieder verschwunden, vermutlich vom Blitz aufgeschreckt. Und da wussten wir, das wird was, diese Nacht, wir sind auf der richtigen Spur. Natürlich hatte niemand eine Ahnung, wohin der Hamburger geflohen war, doch der Park schien dunkel [...] und so kletterten wir über den Zaun hinein, um uns in diesem nächtlichen Lebensraum nach unserem Zielobjekt umzusehen.
Doch dann war es fürs erste vorbei. Gut eine Stunde streiften wir durch die Dunkelheit des Parkgebietes, mit wachen Ohren und offenen Augen, doch wir konnten nichts entdecken, das auch nur ansatzweise auf einen Hamburger hindeutete. Wir hatten schon Angst, die anderen würden uns auslachen, doch gerade, als wir resignieren wollten, stolperte mein Kollege über eine Treppenstufe und drückte vor Schreck auf den Auslöser seiner Kamera, knallte gegen den Beton. Er zog sich ein paar Schrammen an den Händen zu[...]. Wir sahen uns das Bild an und wichen skeptisch zurück – ganz eindeutig ein Hamburger unter dem Gebüsch bei der Treppe. (Bild 1.3) Ich zog sofort die Taschenlampe und leuchtete die Treppen und die Ritzen neben ihr aus, doch keine Spur von dem Burger. Und da wussten wir, sie sind hier – doch sie sind viel geschickter, als wir jemals geahnt hätten. Spur- und lautloses Verschwinden ... [...] wir [gingen] weiter, hofften auf unser Glück. Und wie ein Wink des Schicksals war es, als wir Pause machen und auf einer Bank rasten wollten – auf der ein weiterer Burger Ruhe hielt. (Bild 1.4) Offenbar war er eingeschlafen, doch nach dem Blitzlicht war auch er sofort verschwunden. Jetzt waren wir verunsichert – sehen diese Wesen in unserem Blitzlicht etwas Aggressives oder sind wir einfach nur lichtscheu? Sollten sie das Fotographieren als Angriff interpretieren, könnten wir schon bald auf Probleme stoßen [...]. Dennoch setzten wir uns auf die Parkbank [...]. Um uns herum raschelte der Wind in den Blättern; einer bekam leichte Panik, war sich sicher, ein Flüstern zu hören, doch die anderen beiden hatten nichts bemerkt. Wir warteten gut eine Viertelstunde ab, machten uns dann wieder daran weiter die Umgebung zu erkunden. Natürlich war unsere Angst Unfug, doch der eine Kollege hatte uns irgendwie mit seiner Furcht anstecken können. Jedenfalls ging die Reise weiter und wir kamen an einen kleinen Teich, hörten Rascheln – hier war jemand, und wir wussten auch, wer oder was. Auf einem kleinen Anleger, von dem aus man seine Füße in den Teich baumeln lassen konnte, saß ein Hamburger. Ich schmiss mich sofort auf das Holz und knipste wild Fotos, doch nur auf einem war er zu sehen. (Bild 1.5) Schon war er wieder fortgerannt, doch dieses Exemplar zu unvorsichtig, wir hörten das Rascheln einiger Blätter und rannten hinterher, verloren ihn jedoch an einem Baum. Wohin war er nur verschwunden? Der Park bot einige Möglichkeiten [...], doch dann sah ich ihn. Er hatte sich im Schnee getarnt, und als er entdeckte, dass ich ihn gefunden hatte, zeigte er mir seinen nackten Hintern (Bild 1.6) und rannte wieder davon, blieb diesmal unauffindbar. Doch schon kurz darauf entdeckten wir einen weiteren Burger an einer Treppe, der selbiges tat. (Bild 1.7) Oder war es der gleiche? Wir wissen es nicht, doch offenbar haben diese Exemplare eine gewisse exhibitionistische Tendenz entwickelt, was wir sofort notierten. Wir verfolgten das Exemplar einige Zeit lang, zuerst schnell rennend, doch mit der Zeit im Spaziergang, es wurde immer langsamer und blieb auch zeitweise einfach nur stehen (Bild 1.8), bis es dann schließlich auf einer kleinen Trennmauer gänzlich zum Stehen kam. (Bild 1.9) Wir hatten zuerst keine Ahnung, warum dies so war; war er etwa erschöpft, aufgeregt oder etwa schon alt? War seine Zeit gekommen? Wie würden die anderen Hamburger es interpretieren, wenn vor uns einer ihrer Brüder sterben würde? Wir hatten schon Angst vor einem Angriff, doch dann sollten wir etwas erblicken, das wir uns in unseren kühnsten Träumen nicht ausgemalt hätten [...].
3.2. Fortpflanzung
Jenes Forscherteam machte während des Vermehrungsvorganges des benannten Hamburgers mehrere Fotos, die hier einmal ausführlich erklärt werden sollen, um den Fortpflanzungsprozess dieser Spezies detailliert und verständlich wiederzugeben. Zunächst einmal wäre zu sagen, dass die Fortpflanzung asexuell stattfindet und mit der Zellteilung in einigen wichtigen Aspekten vergleichbar ist. In der Zeit unmittelbar vor der Verdopplung wird der Hamburger wesentlich langsamer, bis er schließlich endgültig zum Stehen kommt. Dann beginnt sich langsam die äußere Schicht zu lösen, von der bisher angenommen wird, dass sie die Funktion einer Art Kleidung erfüllt; sie ist für die Hamburger nicht überlebenswichtig, jedoch von praktischen Belangen her unverzichtbar. Langsam beginnt sich diese Schicht zu öffnen (Bild 2.1), bis der Hamburger schließlich der freien Luft ausgesetzt ist. (Bild 2.2). An dieser Stelle beginnt sich der Hamburger in der Mitte zu teilen, die einzelnen Hälften trennen sich langsam voneinander, blasen sich jedoch in sehr kurzer Zeit wieder auf ihre ursprüngliche Größe auf. (Bild 2.3) Auch die äußere Schale teilt sich und die Hamburger schweifen weiter voneinander ab (Bild 2.4), bis sie schließlich beinahe separiert sind und schon beginnen, sich wieder einzuwickeln. (Bild 2.5) Auch kurz vor Vollendung dieses Vorgangs stehen sie noch in Kontakt (Bild 2.6), der erst abbricht, wenn der Teilungsvorgang abgeschlossen ist. (Bild 2.7) Während das Ursprungsexemplar sofort wieder fortrannte, bewegte sich das neu entstandene nicht von der Stelle. (Bild 2.8) Das Team wartete einige Minuten, konnte jedoch keine Lebenszeichen feststellen, fand nach kurzer Untersuchung heraus, dass diese neuentstandene Lebensform offenbar nicht lebensfähig war. Wir gehen davon aus, dass Faktoren unter anderem sein könnten, dass das Team den Hamburger unter erhöhten Stress gesetzt hatte, dieser etwa das Licht nicht vertrug oder dass es sich um einen genetischen Defekt handelte.
Trotz dieses tragischen Vorfalls machte sich das Untersuchungsteam daran, den Hamburger zu sezieren und so für die Forschungsabteilung einige Informationen über die biologischen Eigenschaften eines freilebenden Hamburgers zu sammeln. Hierbei wurde festgestellt, dass diese in allen Aspekten mit den Industriehamburgern übereinstimmten; dennoch hier ein kurzer und allgemeiner Abriss über Hamburger im Gesichtspunkt der Biologie.
3.3.0. Hamburgerbiologie
3.3.1. Allgemeine biologische Eigenschaften
Das Team hat zuerst einmal die Hülle des Hamburgers geöffnet, was keine Probleme bereitete. Sie war offenbar nach der vorhergehenden Trennung nicht mehr gänzlich geschlossen worden, sodass es wohl leichter fiel sie aufzubrechen. Darunter kam die Unterseite des Hamburgers zum Vorschein. (Bild 3.1) Diese ist an und für sich wenig spektakulär, ebenso wie die Oberseite, und dient lediglich als eine Art Schutzpanzer vor Umwelteinflüssen, zusätzlich zu der meist getragenen Schale. Diese Unterseite wies einige hellere Flecken auf, war also offenbar noch nicht komplett ausgebildet und schien etwas rissig, woraus man schließen könnte, dass der Hamburger noch gar nicht bereit zur Teilung war, jedoch durch die Blitzlichteinflüsse dazu gereizt worden ist. Vorsichtig wurde die Unterpanzerung abgetrennt, um die Schicht darunter zu begutachten. (Bild 3.2) Diese wirkt ähnlich unspektakulär wie das Äußere, ist jedoch schon wesentlich interessanter, denn nun ist das Herzstück des Hamburgers zu sehen, der Hamburger selbst, der lebende Teil unter der Schale. Das Abtrennen ging erstaunlich einfach vonstatten, offenbar waren die Schichten nicht akkurat zusammengewachsen. Nur an der Stelle, die etwas dunkler wirkt, bestand eine enge Verbindung – normalerweise müsste sich diese jedoch um den ganzen Rand herum ziehen. Ein weiteres Anzeichen dafür, dass die Trennung wesentlich zu früh stattgefunden hat. Jetzt jedoch ging es an den Kern der Sache, die nächste Schicht, die am aussagekräftigsten ist, wurde freigelegt. (Bild 3.3) Eindeutig ist auch hier zu erkennen, dass die stabilisierenden Schichtverbindungen auch nicht komplett ausgebildet waren. Des Weiteren handelte es sich um einen eingurkigen (siehe Abschnitt Gurkigkeit, 3.3.2.), also nicht allzu kräftigen Hamburger, ein möglicher weiterer Grund für das Nichtüberleben des Subjekts; problematisch war ab diesem Punkt jedoch, dass nicht mehr eindeutig festgestellt werden konnte, warum der Hamburger nicht lebensfähig war. Die Soße erscheint hier relativ normal und kräftig, war also bereits fertig ausgebildet. Die Schichten wurden wieder zusammengelegt (Bild 3.4), die oberste schien hier etwas feuchter als gewöhnlich; was dies bedeuten könnte, war jedoch nicht feststellbar und soll zukünftig erforscht werden. Der Hamburger wurde gewissermaßen an einem sehr sicheren Ort beigesetzt, worauf hin die äußerste zurückgebliebene Schale wegwehte. (Bild 3.5) Daraus schloss das Team, dass sie vermutlich gar nicht mal so schwer ist. Die äußerste Schale wurde entsorgt; schon bald sollte die Morgendämmerung einsetzen. Das Experiment war vorbei und teilweise von großem Erfolg gekrönt, wenn auch etwas tragisch verlaufen. Das Team verließ den Park.
3.3.2. Gurkigkeit
Die Gurkigkeit eines Hamburgers lässt auf die Zeit seit der letzten Teilung wie auch auf die Zeit bis zur nächsten Teilung schließen. Hier unterscheidet man generell zwischen eingurkigen, zweigurkigen und dreigurkigen Exemplaren, die viergurkigen teilen sich generell wenige Minuten nach dem Erreichen dieser Gurkigkeit. Jeder Hamburger durchläuft diese Stadien, meist beginnend mit der Zweigurkigkeit, selten auch mit der Eingurkigkeit. Die Gurken sind eines der wichtigsten Organe des Hamburgers, vom Zweck her vergleichbar mit einer Mixtur aus Herz und Gehirn. Mit der Zeit entwickelt ein Hamburger mehr Gurken in sich, bei der Teilung eines Hamburgers enthält jeder der neu entstandenen Teilhamburger die Hälfte der Gurken, bei einer dreigurkigen Teilung wird die dritte Gurke entweder aufgeteilt oder geht gänzlich in den Körper eines der Exemplare über. Generell teilen sich Hamburger jedoch erst nach Erreichen der Viergurkigkeit, sodass ein Hamburger in der kritischen Zeit nach der Teilungsphase über zwei Gurken verfügt, für den Fall, dass sich eine als nicht funktionsfähig erweist. Sollte dies eintreten, so wird diese Gurke als Fremdkörper behandelt und langsam im Hamburger zersetzt. Mehrgurkige Exemplare sind des Weiteren meist kräftiger als eingurkige, was darauf schließen lässt, dass die Gurken mitunter eine energiespeichernde Funktion übernehmen. Die Gurkenscheiben sind also zwar nicht das Zentrum eines Hamburgers, jedoch mit einer der wichtigsten Bestandteile überhaupt.
3.3.3. Verwandte Arten
Cheeseburger (Bild 4.1 | Bild 4.2)
Die Cheeseburger sind die dem Hamburger nächstverwandte Art, jedoch nicht mehr in freier Wildbahn anzutreffen; sie leben ausschließlich in Gefangenschaft und sind nicht mehr fähig, außerhalb der menschlichen Gesellschaft zu bestehen. Es ist nichts über mögliche vergangene Kultur oder Gesellschaft unter ihnen bekannt. Einzig vom Hamburger unterscheidet sie, dass sie neben der Gurkigkeit auch noch über eine gewisse Käsigkeit verfügen, die offenbar zusätzlichen Schutz der Gurken bieten soll und des Weiteren einen Fettvorrat für schlechte Zeiten speichert.
Big Mäc (Bild 4.3 | Bild 4.4)
Die Big Mäcs waren einst in Meeresnähe wohnhaft und eine äußerst seltene, vermutlich durch eine Mutation entstandene Subspezies der Hamburger. Sie verfügen nicht nur über ein gewisses Maß an Käsigkeit und eine stärker ausgeprägte Soße, sondern auch über eine Doppeldeckrigkeit, die diese Unterart nicht nur wesentlich stärker macht, sondern auch auf eine gewisse Art und Weise langlebiger. Die Vermehrung geht wie bei normalen Hamburgern vonstatten, doch für den Fall, dass die obere oder untere Hälfte schwer verletzt wurde, kann diese abgespalten werden, der Big Mäc lebt dann als normaler Hamburger oder etwa Cheeseburger weiter. Letzte Stämme wurden Ende des 20. Jahrhunderts im Südosten von Indien ‚kultiviert’, zuvor lebten sie ähnlich wie Waldhamburger, jedoch sesshaft auf Bäumen oder in Höhlen. Es gibt keine bekannten freilebenden Stämme mehr.
Es gibt noch einige weitere Arten, doch auch diese leben nicht mehr in Freiheit, sondern in Gefangenschaft. Die Hamburger sind folglich unsere einzige Möglichkeit, noch etwas über die vergangene Zivilisation des freilebenden FastFoods in Erfahrung zu bringen. Ein Schutz dieser Art ist mehr als nur angebracht – auch Sie können mithelfen. Setzen Sie sich aktiv für den Schutz freilebender Hamburger ein und unterstützen Sie sie, wann immer sich die Möglichkeit bietet. Kultur und Artenvielfalt dürfen nicht weiter beschnitten werden.
4.0. Alles Weitere
4.1. Ein Experiment
Unter Einsatz aller uns zur Verfügung stehenden Mitteln haben wir einen unserer Wissenschaftler in eine Bahn gesetzt, um eine Theorie zu untermauern, die für diese Dokumentation keine weitere Rolle spielt. Die Ergebnisse waren verblüffend. Anfangs noch konnte eine Art Text entziffert werden (Bild 5.1), der jedoch nach einiger Zeit in verwackelte Linien überging. (Bild 5.2) Die Verwackelung nahm immer weiter zu, trotz fortgesetzter Gleichheit der beabsichtigten Linienführung. Ein klares Anzeichen von Widerstand in der Monotonie unserer Gesellschaft.
4.2. Amateuraufnahmen von Hamburgern
Bildmaterial über Hamburger ist selten, nur wenige Fotos wurden bisher geschossen, die auf noch viel weniger Details über die Art der Hamburger schließen lassen. Kein Teil des gesammelten Wissens ist eindeutig, die Hamburgererforschung steckt immer noch in ihren Kinderschuhen – doch wir befinden uns in einer Zeit des Umbruchs, immer mehr wird bekannt, immer öfter werden uns Fotos von Passanten gesendet, das Interesse an der bedrohten Art nimmt stetig zu. Hier einige der Bilder.
Unter Lampenschein (Bild 6.1)
Es ist nicht eindeutig feststellbar, ob es sich bei den Objekten am Laternenpfahl tatsächlich um Hamburger handelt, jedoch sieht es beinahe so aus, als hätten sich hier zwei Exemplare trotz des Lichtes in die Stadt getraut. Hamburger werden immer zutraulicher.
Auf der Mauer (Bild 6.2)
Hier ein Bild von zwei Hamburgern auf einem Mauerstück, ebenfalls mitten in der Stadt. Offenbar eine weitere Paarbildung; handelt es sich hier um verirrte Landbewohner oder greift die Kultur der Paarbildung auf Stadtbewohner über?
Gitarrespielender Hamburger (Bild 6.3)
Künstlerische Begabung wird immer häufiger beobachtet – kulturelle Adaption oder Widerstand der Hamburger gegen die sie umgebende Welt?
Auf der Mauer II. (Bild 6.4)
Offenbar eine weitere Paarbildung.
Und Nummer Drei (Bild 6.5)
Ein weiteres Indiz für benannte Theorie.
Personen auf Plakaten (Bild 6.6)
Diese Frau wollte der Mimik nach ganz offensichtlich mit dem Fotographen anbändeln.
Sind sie in der Lage, Wirklichkeit von Realität zu unterscheiden?
Können sie zwischen Fakten und Tatsachen differenzieren?
Danke für Ihre Aufmerksamkeit.