games: final fantasy x-2: informationen


A game consisting entirely of minigames and sidequests (Andrew Vestal)

 
Achtung: Das folgende Preview enthält Spoiler zu Final Fantasy X und dem Zusatzvideo "Another Story". Zum vollständigen Lesen sollte man diese gespielt/gesehen haben, ansonsten die entsprechenden Passagen überspringen.

Vor nicht allzu langer Zeit wäre die Frage nach einer direkten Fortsetzung zu einem Final-Fantasy-Teil von den meisten noch munter belächelt wurden, galt es doch als eine der wichtigsten Traditionen der Serie, jedes Spiel für sich vollständig abzuschließen. Ende Oktober 2002 wurde aber, traditionellerweise in der Jump, das neue Spiel aus der Saga enthüllt: "Final Fantasy X-2" (sprich: "Ten-Two"; nachfolgend "FFX-2"), so lautet der Titel, der sofort auf die richtige Annahme schließen lässt, dass es sich dabei um eine Fortsetzung zum zehnten Teil von Final Fantasy handelt.

Der gefangene Tidus in Another StoryVor der Einleitung zu FFX-2 muss als Vorgeschichte aber etwas zum FF10-Zusatz "Another Story" verloren werden. Am 31. Januar 2002 brachte Square nämlich die "International"-Version von Final Fantasy X in Japan heraus, welche als Beilage ein Video mit eben dem Titel "Another Story Eien no Nagisetsu" ("Another Story Eternal Calm"; in der deutschen Fassung hieß es "Stille Zeit") enthielt. Nach dem Ende von Final Fantasy X verschwanden alle Träume der Asthra, also auch Tidus - in dieser Videosequenz konnte man ihn allerdings wieder sehen. Szenen mit Yuna wurden gezeigt, welche sie als sehr bekannte Person in Spira darstellen, die oft um Rat gefragt wird. Rikku gab ihr eine Sphere, die sie von Kimahri bekam, und auf dieser konnte man Tidus erkennen, wie er hinter einem Gitter gefangen zu sein schien und mit einer Person stritt. (Wobei diese Videosequenz in FFX-2 letztendlich verändert wurde.) Dies sorgte selbstverständlich für viel Verwirrung und neue Spekulationen.

Später gab Square bekannt, man wolle eine "Rikku Version" und eine "Yuna Version" veröffentlichten - Final Fantasy X aus der Sicht dieser beiden Protagonisten. Die Ideen wurden im Nachhinein verworfen, da man die ganze Welt aus dem zehnten Final Fantasy durch diese Spin-offs wohl nicht so ausnutzen konnte, wie man wollte.
Das erste Bild gab es auf der TGS 2002 in Form eines Yuna-Posters, das viele lange Zeit für einen Scherz bzw. eine Tomb-Raider-Parodie hielten, da sich Square überhaupt nicht dazu geäußert hatte. Nachdem im Internet fälschlicherweise noch der Name "Another Lord" auftauchte, der von Square in Wirklichkeit aber nie erwähnt wurde, entschied man sich unterdessen für einen Nachfolger, der sozusagen der "Yuna Version" entsprach, obwohl der Grundgedankte unterschiedlich war. Das Ganze aus Rikkus Sicht wird es im Übrigen nicht mehr geben.

This is her story...FFX-2 beginnt zwei Jahre nach den Ereignissen des Vorgängers - und nun mit Yuna als Protagonist. Wer dabei aber an die zurückhaltende, etwas naive Yuna aus dem Vorgänger denkt, liegt falsch, denn sie ist jetzt durch ein komplett neues Outfit gekennzeichnet: Hohe Stiefel, ein unglaublich kurzes Höschen, einige Ornamente, Armschutz, ein kleines Halscape, aus dem ein mit Stoff geschützter Zopf zu hängen scheint, ein rockartiger Stoff, der nur zu einer Seite herunterhängt und zwei Pistolen, die sie standardmäßig auch im Kampf benutzt, verpassen ihr ein ziemlich gewagtes und von manchen Personen als Lara-Croft-ähnlich angesehenes Aussehen.

Ihr Charakter ist ebenfalls etwas gefestigt worden: Immerhin hat sie sich diesmal freiwillig auf eine Reise begeben. Ein Beweggrund dafür ist natürlich, Tidus zu suchen, den man in der Sphere gesehen hat, doch auch sonst reist Yuna oft durch die Welt - seit den zwei Jahren haben sich nämlich sehr viele Gruppen gebildet, wovon die meisten so genannte "Sphere Hunter" (dt.: Sphäro-Hunter) sind und ebenfalls nach Spheres suchen: Zum einen aus Abenteuerlust (so beschreibt Mei'Chen einige der Gruppierungen), zum anderen möchte man aber mehr über Spira und die eigene Vergangenheit wissen, denn in Spheres kann man ja Ereignisse speichern, und nachdem der Yevon-Kult nicht mehr existiert, sind die Menschen aus ihrer eingeschränkten Denkweise teilweise befreit.
Eine Gruppierung, die die Aufarbeitung der Vergangenheit besonders stark fordert, ist die Junge Liga, unter Führung von Nooj. Dem gegenüber steht Neu-Yevon, von Kanzler Baralai repräsentiert, die den alten Glauben nicht aufgeben wollen.

Nomura-Artwork von RikkuAuch Rikku ist in FFX-2 vertreten und eine spielbare Figur - ebenfalls in auffällig knapp bemessenen Kleidern. Sie ist, wie Yuna, Mitglieder in der "Kamome Dan" (dt.: Möwenpack), welche als Sphere Hunter auftreten. Diese Bande besitzt ein Luftschiff, das "Celsius" genannt wird (Anspielung auf Squares Bahamut Lagoon, wo selbiges "Fahrenheit" hieß), in dem auch viele weitere Mitglieder wie Brüderchen, Dachi (dt.: Kumpelchen), Master (dt.: Mr. Schank) und Shinra fliegen.
Neben diesen und Mei'Chen erscheinen allerdings noch mehr Charaktere aus Final Fantasy X im Nachfolger: Lulu erwartet ein Kind mit Wakka, Kimahri ist Ältester auf Berg Gagazet geworden und viele der Nebenhandelnden aus FFX treten hier und da wieder auf.

Der dritte spielbare Charakter heißt Paine, die schon vor Yuna dem Möwenpack beitrat. Im Gegensatz zu den anderen beiden ist sie relativ ruhig und von Rikkus flippigem Getue auch des Öfteren genervt.
Ansonsten sind keine weiteren Charaktere spielbar: Für die nötige Abwechslung in den Kämpfen sorgt diesmal ein Job-System; dazu später mehr.

Eine große Änderung gegenüber dem zehnten Final-Fantasy-Teil ist der Punkt der Linearität: War der Vorgänger dahingehend teils noch beängstigend freiheitsarm, ist FFX-2 das nichtlinearste Offline-Final-Fantasy. Im Spiel gibt es nämlich zwei neue Systeme, zunächst das "Mission Select System": In der Celsius lässt sich ein Bildschirm mit der Karte von Spira aufrufen, wo man verschiedene Missionen auswählen darf, die man danach zu lösen versucht; oftmals geht es dabei um das Suchen von Spheres.

Hier ist gerade ein Active Link beim Berg Gagazet erschienen


Ist eine Mission beendet, beginnt das "Active Link System" - je nachdem, welche Aufträge man bereits erledigt hat, werden andere verfügbar. Bestimmte Missionen sind so erst nach dem Erfüllen mehrerer anderer anwählbar. Andere Orte ohne "Active Link" können jedoch ebenfalls angeflogen werden, wodurch viele verschiedene Nebenmissionen gespielt werden können. Zudem ist das Spiel in fünf Kapitel unterteilt - hat man eines beendet, sind an allen Orten wieder neue Ereignisse zu erleben. Der "Story Level" gibt zudem an, wie viel Prozent des Spiels man bereits abgeschlossen hat.
Je nachdem, welche Missionen man wählt, kann sich das gesamte Spielszenario verändern. Während jeder die Hauptstory erleben wird, sollte das letztendliche Erlebnis von Spieler zu Spieler relativ unterschiedlich sein. Wer allerdings gar keine der optionalen Aufträge erledigt, wird die eigentliche Story nicht vollkommen nachvollziehen können, außerdem benötigt man dann sogar weniger Zeit zum Durchspielen als im Vorgänger. Da man leicht Dinge verpasst, ist in FFX-2 übrigens auch eine "New Game+"-Option eingebaut.

Porta Kilika wurde nach dem Angriff von Sin wieder aufgebautDie Spielwelt hat sich teilweise ein wenig verändert: Da niemand mehr von Yevon unterdrückt wird, sind auch Maschinen nicht mehr verboten. Deshalb stehen solche nun fast überall in Spira, selbst in den einstigen Tempeln. Auffällig sind z.B. Hovercraft-ähnliche Gefährte, mit denen man in verschiedenen Gebiete relativ schnell reisen kann.
Porta Kilika wurde wieder aufgebaut und Bevelle kann erkundet werden; viele andere Areale hat man jedoch 1:1 aus FFX übernommen.

Neben der Seagull Band existieren natürlich weitere Sphere-Hunter-Gruppen, so z.B. die "Kodomo Dan" (dt: Kindergarde) und die "Leblanc Ichimi" (dt: Leblanc-Gruppe). Letztere ist der Gruppe um Yuna zu Beginn feindlich gesinnt, wenn es darum geht, Spheres zu suchen. Von daher trifft man sie öfter im Spiel, womit sie die Position von immer wieder auftauchenden Figuren wie Ultros, Biggs und Wedge, den Turks usw. aus früheren FFs einnehmen.

Yuna erklimmt einen Felsvorsprung Was zunächst einige abschreckte, waren gewisse Actioneinlagen, die man in FFX-2 eingebaut hat. So wird Yuna vor allem in der Lage sein, zu springen und zu klettern. Ein Action-RPG ist das Spiel deshalb aber noch lange nicht: Für gewöhnlich drückt man an bestimmten Stellen einfach eine Taste, um voranzukommen; Timing ist dabei nicht wichtig, und wenn man die Taste gedrückt hält, geschieht die Aktion an den entsprechenden Stellen sogar automatisch.

Auch Kämpfe muss man natürlich wieder bestreiten, wobei diese im Vergleich zu FFX ziemlich stark verändert wurden. Toshiro Tsuchida arbeitete nicht mehr am Kampfsystem und Overdrives (Ekstasen), Overkills ("Vernichtend") und Aeons fehlen als beschwörbare Monster. Auch das Sphereboard (Sphärobrett) wurde abgeschafft.
In Kämpfen nutzt man wieder das ATB-System, diesmal gibt es den ATB-Balken aber nicht nur, wenn ein Charakter auf seinen Zug wartet, sondern auch bei einigen Abilities selbst. Will man also z.B. den Zauber "Vita" nutzen, erscheint ein ATB-Balken für die Aktion, und erst wenn dieser gefüllt ist, wird der Zauber ausgeführt. Während dieser Zeit kann man durch gegnerische Attacken natürlich aufgehalten werden. Die Dauer des Aufladens wird darüber hinaus übrigens durch die Länge des ATB-Balkens bestimmt.

Statt dem Sphärobrett gibt es einfach wieder Levels, dafür hat man aber ein Job-System eingebaut. Dieses nennt sich "Dress Up System", wobei die einzelnen Kostüme (Dresses) für die verschiedenen Jobs stehen. Neben klassischen Jobs wie Kämpfer, White Mage oder Dieb gibt es auch außergewöhnlichere Kostüme, z.B. Dompteur oder Item-Schütze. Relativ gut gelungen sind dabei die unterschiedlichen Designs für die drei Damen.
Die einzelnen Jobs erlernen Abilities durch AP (Abilitypunkte): Immer wenn ein Gegner besiegt wurde, erhält die gesamte Party einen AP; für jede eingesetzte Ability gibt es für den jeweiligen Charakter ebenfalls einen Punkt.

Im Kampf: Mit der Kostümpalette (links) kann der Dress gewechselt werden


Wechseln kann man die Kostüme direkt im Kampf. Dafür nutzt man so genannte Kostüm-Paletten (JP: Result Plate / US: Garment Grid). Diese Palette besteht aus verschiedenen Mulden, in denen Kostümsphäroiden platziert werden können. Die einzelnen Mulden sind miteinander verbunden, wodurch man auf der Strecke also "entlangfahren" kann, um z.B. vom Kostümsphäroid "Diva" zum "Schütze" wechseln zu können. Bei so einem Wechsel können auch Boni freigeschaltet werden; darüber hinaus bieten die meisten Kostümpaletten von vornherein Extras wie erhöhte Statuswerte, wenn man sie trägt - dabei kann jedem Charakter immer nur eine Palette zugewiesen werden.
Neue Kostümsphäroiden findet man für gewöhnlich in diversen Nebenmissionen als Belohnung.

Ansonsten bietet das Gameplay hauptsächlich eine Menge Minigames: Neben einem Münzspiel (Sphäro-Break), Blitzball, bei dem man nun aber eher eine Manager-Rolle übernimmt, einer Chocobo-Farm, verschiedenen Ausgrabungsmöglichkeiten usw. erwarten einen in vielen Nebenmissionen auch weniger innovative Minispiele, z.B. das Drücken der richtigen Taste zur richtigen Zeit. Prinzipiell gibt es in fast jeder Mission so eine Art "Minigame".
Das trägt auch zum generellen Spielgefühl des Titels bei: Im Gegensatz zu anderen Final-Fantasy-Teilen ist das Ganze ziemlich fröhlich und generell "bunt"; dementsprechend benehmen sich ebenfalls die Charaktere, und auch viele Szenen wirken teilweise ziemlich seltsam und albern. Merkwürdig ist das vor allem, wenn in den Hauptmissionen, den "Active Links", plötzlich ein ernsterer Ton angeschlagen wird, in der nächsten Nebenmission Rikku und Yuna aber schon wieder fröhlich rumalbern.

Die Mitglieder der Seagull Band beraten sichIn Sachen Grafik lässt sich nicht allzu viel Neues sagen. Die Engine ist noch immer dieselbe, grafische Verbesserungen gibt es wenige - deshalb ging die Entwicklung des Spiels wohl auch so schnell voran. Zumindest das "Facial Motion"-System wurde laut Square Enix aber verbessert.
Als Charakter-Designer zeigt sich wieder Tetsuya Nomura verantwortlich, Unterstützung bekommt er z.B. bei der Leblanc-Gruppierung und einigen Kostümen durch Tetsu Tsukamoto (am bekanntesten für seine Monster-Designs aus Final Fantasy X). Im Übrigen ist selbstverständlich wieder Sprachausgabe vorhanden, wofür dieselben Sprecher wie beim Vorgänger verpflichtet wurden.

Die Musik konnte Nobuo Uematsu nicht übernehmen, da er bereits mit vielen anderen Projekten zu tun hatte.
Die beiden Komponisten des Spiels sind deshalb Noriko Matsueda and Takahito Eguchi, welche u.a. bereits bei "The Bouncer" und "Racing Lagoon" gemeinsam Erfahrung sammelten. Ihre Kompositionen in FFX-2 sind völlig anders als bisherige Werke von Uematsu - das Ganze ist viel poplastiger und kaum mit früheren FF-Stücken vergleichbar. Leider hört sich der Großteil der Lieder nicht gerade bemerkenswert an und gerät somit schnell wieder in Vergessenheit; Highlights finden sich wenige. Dennoch muss man sagen, dass diese Art von Musik zum Spielgefühl von FFX-2 sehr gut passt und die Welt gut untermalt - für sich genommen ist der Soundtrack allerdings kaum interessant.

Erschienen ist das Spiel am 13.03.03 in Japan, am 18.11.03 in Nordamerika und am 20.02.04 in Europa. Die PAL-Anpassung ist abermals nicht wirklich überzeugend, da PAL-Balken und ein (geringer) Geschwindigkeitsverlust auffallen. Zumindest die Charaktere wirken durch einen speziellen Effekt aber nicht ganz so "gequetscht" wie z.B. in der PAL-Version von FFX. Am 19.03.04 veröffentlichte man in Japan weiterhin eine International-Version, die diverse Extras - u.a. zwei neue Kostüme und ein Kolosseum - sowie mit der "Last Mission" den Abschluss der FFX-Serie bot.
Insgesamt werden die, die auf eine gute Story Wert legen, von FFX-2 wohl eher enttäuscht sein - die Geschichte ist in diesem Spiel Beiwerk. Entgegen allen anderen FF-Titeln und dem Großteil anderer RPGs allgemein ist das Gameplay fast der einzige Schwerpunkt, welcher zudem durch eine Unmenge an Minigames und Nebenquests geprägt ist. Geht man aber ohne Vorurteile an den Titel heran und erwartet vor allem kein "typisches" Final Fantasy, so kann man auch mit diesem Spiel seinen Spaß haben.
 

 
 
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