Europa - Das Land hinter den PAL-Bergen
Artikel vom 27.08.2002
Xenogears, Chrono Cross, Final Fantasy Tactics... was haben diese Titel gemeinsam? Genau. Kein Schwein kennt sie in Europa! Nun ja, vielleicht ist das ein wenig übertrieben dargestellt, aber abgesehen von wirklich interessierten Fans, kennt die Spiele kein Durchschnittspieler, also gut und gerne 80%.
Doch woran liegt es, dass Europa solche Perlen vorenthalten werden? Schlechte Luft? Unfreundliche Beamte? So genau kann das glaube ich wohl niemand sagen, weswegen dieses Verhalten japanischer Spieleproduzenten, vor allem RPG-Hersteller, auf ewig ein Buch mit s eben Siegeln bleiben wird.
Konnte man vor einigen Jahren noch das (angeblich) mangelnde Interesse an RPGs ohne großen Namen durchgehen lassen, zieht dieses Argument heute nicht mehr. Etliche Petitionen zeigen, dass große Interesse an diesen Spielen; die Import-Händler machen seit Jahren ein Geschäft mit den NTSC-Versionen besagter Titel, und von den völlig außer Kontrolle geratenen Preisen bei so mancher e-Bay-Auktion möchte ich gar nicht erst anfangen.
Wieso also werden diese Indizien für ein großes Interesse ignoriert? Auch heute noch hört man in regelmäßigen Abständen von den Pressesprechern die Fabel vom mangelndem Interesse seitens der Spieler, die einhergehen mit zu geringen Verkaufserwartungen, die somit die Kosten für eine Lokalisierung nicht rechtfertigen würden.
Dabei würde sich einige PAL-Spieler schon mit viel weniger zufrieden geben. Einfach den englischen Text lassen und das Spiel an 50-Hertz anpassen (Bitte ohne Balken) und schon sind wieder einige Smilies mehr unter der Bevölkerung. Klar werden wieder einige aufschreien: „Wähhh, ich will deutschen Text“, doch wenn sich erst mal die englischen Versionen festgesetzt haben, und eine bestimmte Anzahl verkauft wurde, lassen sich die Hersteller vielleicht (aber nur vielleicht) bekehren und werden uns in Zukunft etwas großzügiger mit Spielen beschenken.
Doch diese Utopia von einem Europa, in dem Nischen-RPGs und Mainstream friedlich nebeneinander leben, wird wohl noch für lange, lange Zeit auch weiterhin Wunschdenken bleiben. Anscheinend denken Japaner, dass Europäer und Amerikaner spielerisch einfach nicht genug auf dem Kasten haben, um mit anspruchsvollen Nippon-RPGs (hat hier jemand "Pokémon" gesagt?) fertig zu werden.
Das beweisen wohl eindeutig die zwei verschiedenen Final-Fantasy-IV-Versionen, bei denen die amerikanische Version um einiges leichter war als die ursprüngliche japanische Variante. Deshalb werden wir wohl auch auf Xenosaga und Chrono 3 hierzulande verzichten müssen, welche wohl eindeutig Spiele sind, die großen Zuspruch finden würden.
So werden auch weiterhin die Fans auf umgebaute Konsolen und importierte Spiele setzten und in den sauren Apfel der ziemlich hohen Importpreise beißen müssen.
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