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Merchandising oder der Zwang des Kaufens

Artikel vom 27.08.2002
 
Bist du ein richtiger Final-Fantasy- oder Anime-Freak? Ja? Schau dich mal um. Bemerkst du die vielen Poster, Kalender, Postkarten, Figuren, Schlüsselanhänger und was-weiß-ich mit deinen Lieblingsfiguren drauf? Wenn ja, darf ich dir gratulieren: Du bist genau so wie ich ein Opfer des Merchandising geworden.

Wenn ein Spiel, ein Anime oder ein Buch (Harry Potter ist da ein exzellentes Beispiel) einen großen Erfolg verbuchen konnte, kommt die Merchandising-Welle ins Rollen. Die Entwickler oder Hersteller verteilen zig Lizenzen, und das muntere Produzieren kann beginnen. Nach kurzer Zeit warten dann abertausende Fanartikel auf die willigen Käufer, und die gibt es zur Genüge -- wer will schließlich nicht alles von seinen Stars haben? Für junge Mädchen sind es die Backstreet Boys, für FF-Freaks die Final-Fantasy-X-Crew. Im Prinzip ist es genau das Gleiche. Solange das richtige Motiv drauf ist, wird es gekauft.

Die Produktpalette ist riesig. Es fängt mit billigen Schlüsselanhängern und Stickern an, steigert sich dann über Poster, Kalender und Wallscrolls bis hin zu hochwertigen (das heißt teuren) Figuren und sogar Schmuck.

Am interessantesten für den FF-Spieler sind wohl (neben den Soundtracks) die Figuren und der zahlreiche Schmuck: Es macht sich wirklich gut, eine gut dreihundert Euro teure Figur von Cifer, der Odin angreift, im Zimmer stehen zu haben. Oder die komplette Final-Fantasy-X-Schmuck-Kollektion zu besitzen, auch wenn man danach lieber nicht daran denken will, wie viel Geld man dafür ausgegeben hat. Von den kranken Typen, die ein über hundert Euro teures Artbook kaufen würden, nur um ein Poster zu bekommen, will ich gar nicht erst anfangen zu reden.

Hier in Deutschland können wir aber kaum erahnen, wie weit das Merchandising in unserem Traumland Japan schon fortgeschritten ist. Manche, die eine Anime-Messe besucht haben, werden sich vielleicht ansatzweise ein Bild von der dortigen Situation machen können, aber das volle Ausmaß ist es noch nicht. Es gibt in Japan sogar Serien, die nur dazu produziert wurden, um später damit Merchandising zu betreiben (!). Natürlich geht dieses Erfolgsrezept voll auf, und alle kaufen fleißig.

Ein sehr schönes Beispiel, das die Wichtigkeit von Merchandising für Firmen verdeutlicht, ist die aktuelle Finanzkrise von Squaresoft: Vor kurzer Zeit gab Square bekannt, einige neue Figuren zum Verkauf anzubieten. Bei wem macht es da nicht "klick"?

Ich will jetzt Merchandising nicht verurteilen -- die Firmen wollen schließlich Geld verdienen, und die Fans freuen sich (mich eingeschlossen!) riesig über jegliche Art von "Fanartikeln". Man sollte sich nur mal Gedanken machen, ob man es mit dem Kaufen nicht vielleicht etwas übertreibt, auch wenn es schwer fällt. Und jetzt viel Spaß noch beim Geld ausgeben!

 
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