a Überempfindlichkeit gegenüber Acetylsalicylsäure und anderen Salicylaten b Hämorrhagische Diathese c Magen-Darm-Ulzera
Anwendungsbeschränkung
a Analgetika-Intoleranz / Analgetika-Asthma (z. B. Asthma bronchiale, Heuschnupfen, Nasenpolypen, chronische Atemwegsinfektionen, Überempfindlichkeit gegen Schmerz- und Rheumamittel aller Art) b Allergische Diathese (z. B. Hautreaktionen, Juckreiz od. Nesselfieber) c Chronische und rezidivierende Magen- und Zwölffingerdarmbeschwerden d Genetisch bedingter Mangel an Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase e Vorgeschädigte Niere Mögliche Verschlechterung der Nierenfunktion bei vorgeschädigter Niere durch Hemmung der Prostaglandinsynthese f Schwere Leberfunktionsstörungen g Herzinsuffizienz h Gleichzeitige Therapie mit gerinnungshemmenden Arzneimitteln (z. B. Cumarinderivate, Heparin mit Ausnahme niedrig dosierter Heparin-Therapie) i Gleichzeitige Anw. von Valproinsäure und Acetylsalicylsäure besonders bei Säuglingen und Kleinkindern j Hinweis: Bei Kindern und Jugendlichen mit fieberhaften Erkrankungen nur, wenn andere Maßnahmen nicht wirken (Cave: Reye-Syndrom!) k Kinder, ältere Patienten (rheumatolog. Indikation)
Schwangerschaft
Kontraindiziert im 3. Trimenon b. hoh. Dos. und in jedem Fall nach der 36. Schwangerschaftswoche. Strenge Indikationsstellung im 1. und 2. Trimenon sowie im 3. Trimenon bis zur 37. Schwangerschaftswoche b. niedr. Dos. Tierexperimentell sind Implantationsstörungen und Fehlbildungen beobachtet worden. In verschiedenen epidemiologischen Studien ist ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko mit der Einnahme von Salicylaten im 1. Trimenon in Zusammenhang gebracht worden. Dies scheint jedoch bei normalen therapeutischen Dosen gering zu sein. Die Hemmung der Prostaglandinsynthese führt im 3. Trimenon zur Verzögerung und Verlängerung der Geburt, Wehenhemmung und einem vorzeitigen Verschluß des Ductus arteriosus Botalli, unter der Geburt zu einem erhöhten Blutverlust, bei Neugeborenen kann es zur intrakraniellen Blutung kommen. Ob Natriumsalicylat wie Prostaglandinsynthesehemmer einen wehenhemmenden Effekt sowie einen verfrühten Verschluß des Ductus arteriosus beim Feten verursacht, ist nicht bekannt.
Stillzeit
Kontraindiziert b. hoh. Dos. Strenge Indikationsstellung b. niedr. Dos. Salicylate gehen in geringen Mengen in die Muttermilch über. Da bei gelegentlicher Einnahme nachteilige Wirkungen auf den Säugling bisher nicht beobachtet wurden, wird ein Unterbrechen des Stillens während der Behandlung in der Regel nicht erforderlich sein. Bei regelmäßiger Einnahme hoher Dosen sind Risiken wegen mangelnder Entgiftung durch das Neugeborene (z. B. Kernikterus) nicht auszuschließen, so daß bei zwingender Indikation ein frühzeitiges Abstillen erwogen werden sollte.
Nebenwirkungen
Haut (n) Erythema und Urtikaria (s. n Überempfindlichkeitsreaktionen) (n) Schwere Hautreaktionen bis zum Erythema exsudativum multiforme (s. n Überempfindlichkeitsreaktionen) (Einzelfälle)
Nervensystem und Psyche a ZNS-Störungen wie Kopfschmerzen, Schwindel, Erbrechen, Tinnitus, Sehstörungen oder Somnolenz (bei langfrist. oder chron. Anw.)
Augen (a) Sehstörungen (s. a ZNS-Störungen)
Ohren (a) Tinnitus (s. a ZNS-Störungen)
Gastrointestinaltrakt b Gastrointestinale Beschwerden wie Magenschmerzen, Mikroblutungen (häufig) c Magenblutungen und Magenulzerationen (selten) d Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle (gelegentlich)
Leber e Leberfunktionsstörungen (Einzelfälle)
Elektrolyte, Stoffwechsel f Störungen des Säure-Basen-Haushaltes
Endokrinium g Natrium- und Wasserretention (Ödeme) h Hypoglykämie
Herz, Kreislauf i Blutdruckabfall bis hin zum Schock (Einzelfälle bei rheumatologischer Anw.)
Atemwege (n) Bronchospasmus, Analgetikaasthma (s. n Überempfindlichkeitsreaktionen)
Blut j Eisenmangelanämie (selten bei rheumatologischer Anw.) k Thrombozytopenie, Agranulozytose, Panzytopenie, aplastische Anämie (Einzelfälle bei rheumatologischer Anw.)
Urogenitaltrakt l Nierenfunktionsstörungen (Einzelfälle) m Verminderung der Harnsäureausscheidung (Auslösung eines Gichtanfalls bei hierfür gefährdeten Pat. u. U. mögl.)
Immunsystem n Überempfindlichkeitsreaktionen, z. B. Hautreaktionen, Bronchospasmus, Analgetikaasthma
Wechselwirkungen
a Antikoagulanzien (z. B. Cumarin-Deriv. u. Heparin): Antikoagulanzienwirkung erhöht/Erhöhte gastrointestinale Blutungsgefahr b Corticoide, Alkohol: Erhöhte Magen-Darm-Blutungen c Digoxin: Digoxin-Konzentration erhöht d Barbiturate: Barbiturat-Konzentration erhöht e Lithium: Lithium-Spiegel erhöht f Orale Antidiabetika (Sulfonylharnstoffe): Hypoglykämische Wirkung erhöht g Methotrexat: Erwünschte und unerwünschte Wirkungen von Methotrexat erhöht h Trijodthyronin: Wirkung von Trijodthyronin erhöht i Sulfonamide inkl. Cotrimoxazol: Wirkung der Sulfonamide verstärkt j Nichtsteroidale Antiphlogistika/Antirheumatika: Wirkungsbeeinflussung k Aldosteronantagonisten (Spironolacton, Canrenoat): Aldosteronantagonistische Wirkung vermindert l Schleifendiuretika (z. B. Furosemid): Diuretische Wirkung vermindert m Antihypertonika: Antihypertonika-Wirkung vermindert n Urikosurika (Probenecid, Sulfinpyrazon): Urikosurische Wirkung vermindert o Valproinsäure: Erhöhte Blutungsgefahr/Anteil der freien Valproinsäure durch ASS erhöht p Antacida: Verstärkte Ausscheidung von Salicylsäure
Intoxikationen
Unterschieden werden die chronische Überdosierung mit überwiegend zentralnervösen Störungen (;Salicylismus") (vgl. Nebenwirkungen) und die akute Intoxikation, bei der eine schwere Störung des Säure-Basen-Gleichgewichtes im Vordergrund steht. Symptome der akuten Intoxikation: Neben Störungen des Säure-Basen-Gleichgewichtes, des Elektrolythaushaltes - die anfängliche zentrale Hyperventilation führt zu respiratorischer Alkalose. Dann renaler Kompensationsversuch mit Alkaliurie dadurch Kalium- sowie (durch Erbrechen) Chlorid- und Wasserverlust. Durch Stoffwechselsteigerung metabolische Acidose -, Hypoglykämie, Hautausschlägen sowie gastrointestinalen Blutungen werden Hyperventilation, Ohrensausen, Übelkeit, Erbrechen, Beeinträchtigung von Sehen und Hören, Kopfschmerzen, Schwindel, Verwirrtheitszustände beobachtet. Bei schweren Vergiftungen können Delirien, Tremor, klinisch hochgradige Hyperpnoe und Atemnot ohne Zyanose mit starken Schweißausbrüchen, Exsikkose, Hyperthermie und Koma auftreten. Bei Intoxikationen mit letalem Ausgang tritt der Tod in der Regel durch Versagen der Atemfunktion ein. Bei leichten Vergiftungen: lokale Reizsymptome im Vordergrund, wie Nausea, Erbrechen, Magenschmerzen, dazu Schwindel und Ohrensausen. Bei hohen Dosen: Verwirrtheit, Somnolenz, Kollaps, Konvulsionen, Anurie, Blutungen.
Therapie Die Therapiemöglichkeiten zur Behandlung einer Intoxikation richten sich nach Ausmaß, Stadium und klinischen Symptomen der Intoxikation. Sie entsprechen den üblichen Maßnahmen zur Verminderung der Absorption des Wirkstoffs, Kontrolle des Wasser- und Elektrolythaushalts sowie der gestörten Temperaturregulation und Atmung. Giftentfernung: Magenspülung auch in Spätfällen, da oft Pylorospasmus. Evtl. Sedativa, Elektrolytüberwachung und -substitution: Vitamin K. Sauerstoff. Bei bereits eingetretener metabol. Acidose Alkali geben, nicht oral (da sonst Steigerung der Löslichkeit!), sondern i.v. als isotonische Natriumhydrogencarbonat-Infusion aber nur so lange, bis Atmung zurückgeht. Besondere Möglichkeiten: Diuresetherapie, Trispuffer, Hämodialyse, dosierte Beatmung bei künstl. Muskelerschlaffung. Cave: Atemstillstand bei zuviel Alkali.