Heroin
 Substanzen / Opioide / Heroin

 Allgemein
NamenHeroin, AAA, Acht, Aetsch, AIP, airplane, atike, Ballot, Berliner, Braunes, ca-ca, cactus, dagga, dama blanca, Damameso, Diacetylmorphin, Diamorphin, eighty-two, Elefant, elephant tranquilizer, Gift, H, H 4, H-Tinke, H-Tinktur, Huatari, Hund, jink, jive, jive doojee, Jolly, jolly babies / beans, joy flakes, joy powder, joy weed, Juanita, Jude, Material, mayo, mojo, mole, mollies, Mondgestein, monkie, piece, pure, pure love, rock and roll, rock(s), rocket fuel, rocks, rojita, roksten, root, roots, rope, salt, salt and pepper, Sandoz's, sandstone, Santa Maria gold / red, schmack, schmeck, schmecker, Schore, Shore, sweet stuff, sweet tea, türkischer Honig, Wasser, white dragon pearl, white drug, white girl, white goddess, white horse, white junk, white lady, white lightning, white merchandise, white mosquitoest]
Wirkstoffgehaltlaut BKA enthielten 4975 untersuchte Proben folgende Gehalte an Diamorphinbase:
0-10% Diamorphinbase: 37% der Proben
10-20% Diamorphinbase: 26% der Proben
20-30% Diamorphinbase: 16% der Proben
30-40% Diamorphinbase: 12% der Proben
40-50% Diamorphinbase: 6% der Proben
50-60% Diamorphinbase: 2% der Proben
60-70% Diamorphinbase: 0,5% der Proben
70-80% Diamorphinbase: 0,4% der Proben
80-90% Diamorphinbase: 0,1% der Proben
9-100% Diamorphinbase: 0% der Proben
rechtlicher StatusBtmG Anlage I: nicht verkehrsfähig
Gewinnungsynthetisch durch Acetylierung von Morphin mittels Essigsäureanhydrid oder Essigsäurechlorid
Markteinführung (Deutschland)1898 Diamorphin (Heroin®)

 Chemie
systematischer Name4,5a-Epoxy-17-methyl-7-morphinen-3,6a-diyldiacetat
Diacetylmorphin
Diamorphin
SummenformelC21H23NO5
Atommodelle
Abb. 1
Abb. 1


Molare MasseDiamorphin: 369,41g/mol
Diamorphinhydrochlorid-Monohydrat: 423,89g/mol
ErscheinungsformDiamorphin: orthorhombische Plättchen aus Ethylacetat
Diamorphinhydrochlorid-Monohydrat: feine Kristalle
SchmelzpunktDiamorphin: 173°C
Diamorphinhydrochlorid-Monohydrat: 243-244°C
Löslichkeit WasserDiamorphin: 0,6mg/ml
Diamorphinhydrochlorid-Monohydrat: 500mg/ml
Löslichkeit EthanolDiamorphin: 32mg/ml
Diamorphinhydrochlorid-Monohydrat: 90mg/ml
Löslichkeit EtherDiamorphin: 10mg/ml
Diamorphinhydrochlorid-Monohydrat: praktisch unlöslich
Löslichkeit ChloroformDiamorphin: 670mg/ml
Löslichkeit Ammoniak/SodalösungDiamorphin: wenig löslich
Löslichkeit AlkalilösungenDiamorphin: löslich
Geruchgeruchlos oder schwach nach Essig
Geschmackbitter
Anmerkungbei Schwarzmarktheroin handelt es sich praktisch immer um die Diamorphinmorphinbase, die erst nach Zugabe einer Säure (z.B. Ascorbin- oder Zitronensäure) wasserlöslich wird

 Pharmakologie
Wirkstärke (relativ zu Morphin)2,5
Indikationzur Substitution
Agonismus/AntagonismusVollagonist
MetabolismusDurch die höhere Lipophilie des Diamorphins im Gegensatz zum Morphin kann die Verbindung bei parenteraler Applikation (Injektion, nasal) die Blut-Hirn-Schranke schneller überwinden und flutet daher schneller im Zentralnervensystem an. Dort wird die Substanz allerdings sehr schnell durch Desacetylierung zu den weiterhin wirksamen Metaboliten 6-Acetylmorphin und Morphin abgebaut. Die eigentliche Wirkung entspricht somit nahezu vollständig der des Morphins, nur der Wirkeintritt ist schneller.
Wird Diamorphin peroral verabreicht, ist die Wirkung nicht viel anders als die von peroral verabreichten Morphins, da Diamorphin im sauren Milieu des Magens bereits teilweise desacetyliert wird und weiterhin durch den 1st Pass Metabolismus das verbleibende Diamorphin zum Morphin abgebaut wird.
Rote ListeA 85, jedoch nicht in RL aufegeführt

 Toxikologie
DL50 Maus2,2mg/kg i.v.
SymptomeÜbelkeit, Erbrechen, Schläfrigkeit, Koma, oberflächliche Atmung, Atemlähmung
TherapieNaloxon 0,4-2mg i.v., i.m. oder s.c., Wiederholung in kurzen Abständen, falls erforderlich Beatmung, bei oraler Einnahme Carbo medicinalis, ggf. sonstige primäre Giftelimination, bei Kammerarrhytmien Lidocain 100mg langsam i.v., Elektrolytkontrolle

 Drogenscreening
Nachweiszeit Urin6-Acetyl-Morphin: bis 2-3 Tage
Morphin: bis 7 Tage
Nachweiszeit Blut/Serummehrere Stunden, stark dosisabhängig
Nachweisgrenze Urin100ng/ml

 Wertung 
Stärke 
Anregung 
Sedierung 
Halluzination 
Euphorie 
Empfindung 
Verträglichkeit 
Verfügbarkeit 
Anwendung 
Es wurden 8 Wertungen berücksichtigt

 Geschichte
1874erste Synthetisierung von Diacetylmorphin aus Morphin und Essigsäureanhydrid durch C. R. A. Wright
1875früheste tierexperimentelle pharmakologische Prüfungen durch F. M. Pierce
1898der Werkschemiker der Farbenfabriken vorm. Friedrich Bayer & Co., Dr. Felix Hoffmann (1868-1946), synthetisierte am 21.08.Diacetylmorphin nach dem Verfahren von C. R. A. Wright
1898der leitende Pharmakologe der Farbenfabriken, Prof. Dr. Heinrich Dreser (1860-1924), prüfte Diacetylmorphin im Tierversuch (Fische, Kaninchen, Katzen), im Selbstversuch und zum Teil an ahnungslosen Werksangehörigen
die Farbenfabriken bringen Diacetylmorphin unter dem Markennamen Heroin als Atmungssedativum und Codeinersatz auf den Arzneimittelmarkt
 spätere Indikationen waren Herz- und Kreislaufserkrankungen, neurotische Verhaltensweisen (inkl. der damals als krankhaft angesehenen Onanie und Nymphomanie), psychiatrische Leiden, Geburtsanalgesie, Prämedikation von Narkosen
1900-1910Nutzung des Mittels als Dopingmittel für Tier und Mensch
1900-1915Heroinproduktion der Farbenfabriken von ~1t pro Jahr
80% für Export in über 25 Länder
 in den ersten Jahren war Heroinmißbrauch im Vergleich zu Morphinmißbrauch selten
1902die Farbenfabriken stellen die Indikation des Morphinentzugs mittels Heroin in Frage, die nicht Einführungsindikation des Mittels war
Heroin ist auf der Liste der umsatzstärksten Arzneimittel auf Platz 8
1905Beginn der Konkurrenzproduktion von Diacetylmorphin
1915aufgrund Folgen des 1. Weltkrieg, zunehmender Konkurrenzproduktion und der Opiumgesetzgebung nimmt die Heroinfabrikation der Farbenfabriken in den Folgejahren ab
1924faktisches Heroinverbot in den USA
1925-1930weltweite Heroinproduktion auf 4-9t pro Jahr geschätzt bei 2t veranschlagtem legitimen Jahresweltbedarf
1926Umsatz von 26kg Heroin der Farbenfabriken
1929Heroin ist als Ampulle für Injektionszwecke auf dem Markt
1931Genfer Abkommen zur Begrenzung der Herstellung von Narkotika
daraufhin ging Heroinproduktion schlagartig zurück
ein zuvor von den USA gefordertes internationales Heroinverbot scheiterte
1940die Farbenfabriken geben Heroinproduktion auf
1944letztmaliger Verkauf von weniger als 1kg Heroin aus Beständen der Farbenfabriken
1950der warenrechtliche Schutz für den Markennamen Heroin erlischt in Deutschland am 30.09.
1952Einrichtung der Bundesopiumstelle
1954Heroinexport aus Deutschland beträgt 0,54kg durch C. H. Boehringer Sohn
Bundesopiumstelle widerruft alle 4 verbleibenden Lizensen zu Heroinherstellung
1961weltweit gibt es noch 3 Heroinherstellerländer: Großbritannien, Frankreich und Belgien
legale weltweite Heroinproduktion beträgt 61kg
1971Änderung der Betäubungsmittelverschreibungsverordnung, Verkehrs- und Verschreibungsfähigkeit in Deutschland erlischt
1985Heroinweltproduktion steigt in den Folgejahren auf 300-400kg pro Jahr
die USA lassen Legalisierung des Heroins zu medizinischen Zwecken scheitern
Kanada legalisiert Heroingebrauch für Schwerstkranke und Sterbende
1997in der Schweiz wird unter bestimmten Umständen Heroin an Schwerstabhängige abgegeben
2001ab Februar wird in Deutschland ein auf vorerst 2 Jahre beschränktes Heroinabgabeprojekt für Schwerstabhängige, die mit Substitutionstherapie mit Methadon nicht erfolgreich behandelt werden konnten

 Anwendung
InjizierenDa es sich bei dem Schwarzmarktheroin meist um die freie Base, die nicht wasserlöslich ist, handelt, muss zur Bereitung einer Injektionslösung die Substanz mit Wasser und einer Säure (z.B. Zitronen- oder Ascorbinsäure) erwärmt werden, dass sich der Wirkstoff in das entsprechende lösliche Salz umwandelt.
SicherheitDa die Qualität des Heroins auf dem Schwarzmarkt sehr stark schwankt (Wirkstoffgehalt meist zwischen 0 und 10%), können keine Dosisangaben gemacht werden. Aufgrund diverser Verunreinigungen muss von einer Injektion dieser Substanz dringend abgeraten werden.

 Sonstiges
Bilder
Abb. 2: Heroin in Zipbag
Abb. 2: Heroin in Zipbag


Abb. 3: Heroinbrocken, "rocks"
Abb. 3: Heroinbrocken, "rocks"


Abb. 4: Heroin in Schwarzmarktverpackung
Abb. 4: Heroin in Schwarzmarktverpackung


Abb. 5: Heroin-Flacon (um 1925)<br>Inhalt: 25 Tabletten Heroin hydrochloricum zu 2,5mg
Abb. 5: Heroin-Flacon (um 1925)
Inhalt: 25 Tabletten Heroin hydrochloricum zu 2,5mg


Abb. 6: Titelblatt einer für Ärzte bestimmten Firmeninformation zu Heroin (nach 1925)
Abb. 6: Titelblatt einer für Ärzte bestimmten Firmeninformation zu Heroin (nach 1925)


Abb. 7: Fraser's Antiasthmaticum No. 4
Abb. 7: Fraser's Antiasthmaticum No. 4


Abb. 8: Laborbericht "Über das Diacetylmorfin" des Dr. Felix Hoffmann (21.08.1897)<br><br><br> <i>Über das Diacetylmorfin<br><br>Um einen Ersatz für das Codein aufzufinden, wurde das Diacetat des Morfins dargestellt. Kocht man 10,0 Morfin, 30,0 Essiganhydrid in 4 Stunden unter Rückfluß, so zeigt eine in Wasser aufgenommene Probe keine Morfinreaktion mehr. Man verdunstet die Essigsäure des Rückstandes, gießt in Wasser und versetzt unter Kühlung in Sodalösung. Die ausfallende krystallinische Masse stellt das Diacetat dar, das aus Benzolligroin in Nadeln vom SmP 169° krystallisiert. Wie physiologische Versuche ergaben, liegt in dem Körper in der That eine dem Codein außerordentlich ähnlich wirkende Substanz vor.<br> 21. VIII. 1897, Dr. Hoffmann</i>
Abb. 8: Laborbericht "Über das Diacetylmorfin" des Dr. Felix Hoffmann (21.08.1897)


Über das Diacetylmorfin

Um einen Ersatz für das Codein aufzufinden, wurde das Diacetat des Morfins dargestellt. Kocht man 10,0 Morfin, 30,0 Essiganhydrid in 4 Stunden unter Rückfluß, so zeigt eine in Wasser aufgenommene Probe keine Morfinreaktion mehr. Man verdunstet die Essigsäure des Rückstandes, gießt in Wasser und versetzt unter Kühlung in Sodalösung. Die ausfallende krystallinische Masse stellt das Diacetat dar, das aus Benzolligroin in Nadeln vom SmP 169° krystallisiert. Wie physiologische Versuche ergaben, liegt in dem Körper in der That eine dem Codein außerordentlich ähnlich wirkende Substanz vor.
21. VIII. 1897, Dr. Hoffmann


 Diskussion 
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 Links
Heroin-FAQ Freqently Asked Questions zu Heroin (2)
Heroine Manufacture in Southeast Asia Übersicht zur Opiumgewinnung, Alkaloidextraktion und Heroinsynthese (2)
Junkienet Homepage der JES-Selbsthilfe Bielefeld e.V. (1)

 Siehe auch

 Quellen

© 2004 drogeninfo.net