Marcus Wiebusch - Anti-Manifest
Hetero, männlich, weiß - und ich werd nicht unterdrückt.
Auf jeden Fall nicht so wie die anderen, nenn es Zufall oder Glück.
Und schlau genug, um am Leben zu sein,
bezahlt dafür, dagegen zu sein.
Du sagst: Ich soll nur einmal sagen, wofür ich bin.
Verdammt, sieh genauer hin:
Ich bin dafür, dass Max Goldt den Nobelpreis gewinnt.
Ich bin dafür, daß Juliette Binoche einen Oscar bekommt.
Ich bin für ein besseres Leben der Hausfrau am Ende der Straße.
Doch es ist immer peinlich, wenn man sagt, wofür man ist.
Ich meine: Keiner kann mehr eine Utopie formulieren,
ohne sich lächerlich zu machen.
Und ich kann ganz schlauen Köpfen nicht mehr zuhören,
ohne laut loszulachen.
Doch voller Moral, ohne zu moralisieren, geht das?
Und wenn es geht, wer versteht das?
Ich bin für einen derben Humor, der den Wahnsinn kompensiert,
der von mir aus auch nach Buttersäure riecht.
Ich bin dafür, dass in unsere Leben niemals diese verbitterte Empörung eintritt.
Doch es ist immer peinlich, wenn man sagt, wofür man ist.