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Kolumne |
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Wie vernebelt machen Forschungschwerpunkte?
Gegen Ende eines Jahres neige ich, wieder besseren Wissens, zu nostalgischen Handlungen. Es gelingt mir immer noch nicht ganz, mich dem allgemeinen, hysterischen Gruppendruck zu Silvester völlig zu entziehen, aber ich arbeite daran. Ich investiere jedenfalls immer den einen oder anderen Fünfer für Jahresrückblicke in dem einen oder anderen Printmedium.
In diesem Zusammenhang geriet ich also in einen Kiosk und auf der Suche nach dem Jahresrückblick 2000 des ehemals lesenswerten montäglichen Nachrichtenmagazins, das der Gesellschaft früher einen Spiegel vorhielt, fiel mein Blick auf ein Blatt, das nach eigener Aussage "bewegt". Der Titel musste einen selbsterklärten Zocker wie mir ins Auge fallen: "Die 50 besten Computerspiele". Hinter der belächelnswerten Auflistung findet sich ein Artikel, den ich mehrfach lesen musste, um ihn in seiner Gänze würdigen zu können: "Wie brutal machen Ballerspiele"?
Ich als Videospieler wünsche mir grundsätzlich eine faire Berichterstattung in den Medien über dieses Hobby. Aber wie es mit vielen Wünschen so ist: Sie bleiben unerfüllt. Natürlich auch vom stern. Nun gut, das ist nichts Neues. Neu war mir, dass es einen Forschungsschwerpunkt "Wirkung virtueller Welten" an der FH-Köln gibt. Die vom Land subventionierten Forschungen werden von Herrn Professor Jürgen Fritz geleitet, der sich nicht zu Schade war, ein lesens- und bedenkenswertes Interview zu geben.
Er ist nicht nur, vermutlich nach jahrelanger Forschung, zu dem Urteil gelangt, dass für Gewaltausbrüche "ein Videospiel (...) nie die alleinige Ursache (ist)". Immerhin entgeht unseren Forschern das Banale nicht! Er behauptet allerdings, dass jemand, der unter starkem Stress stehe, wütend und voller Hass sei, schösse. Schluck. Eine solche zwingende Kausalität war mir bislang verborgen geblieben. Nachdem er erkennt, dass das Leben komplex ist, baut er sofort eine einfache Formel hinterher. Es scheint generell heute so, dass die Reduktion struktureller Komplexität gerade in den Medien zu einer populären Kunstheischerei mutiert.
Aber es geht noch weiter ...
Jürgen Wiemer |
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