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Moderne
Technik im Fach Natur und Technik (NuT)
Ein kurzer Streifzug durch unseren
Kurs zur Digitalelektronik
Im
Fach NuT müssen wir uns natürlich auch an die Verbindlichkeiten des
Lehrplans halten. Dennoch gibt es Freiräume, in denen ganz gezielt
faszinierende Zusammenhänge dargestellt und praktisch erprobt werden
können.
So
beginnen wir bereits im zweiten Halbjahr der neunten Klasse, die
theoretischen Grundlagen zu erarbeiten, nach denen jeder Computer, jede
selbsttätige Steuerung arbeitet. Es ist erstaunlich, dass so hochkomplexe
Steuerungsanlagen wie beispielsweise eine vollautomatische Steuerung mit
drei logischen Grundelementen erklärt werden können. Diese drei
Grundelemente heißen UND-, OR- und NOT-Verknüpfungen. Es ist nicht
schwer, diese logischen Verknüpfungen zu verstehen, und sie sind wirklich
alles, was wir brauchen; sie bilden sozusagen unser Juwel und stehen
deshalb fast ganz am Anfang unseres Digitalkurses.
Zu
allererst müssen wir allerdings so zu denken lernen, wie es ein Computer
auch tut. Er hat nur zwei Ziffern, nämlich eine Eins (1) und eine Null
(0). Wobei die Eins durch einen geschlossenen Schalter und die Null durch
einen geöffneten Schalter repräsentiert werden. Also müssen wir mit
diesen beiden Zahlen umzugehen verstehen. Wir nennen diese Zahlen duale
oder binäre Zahlen, und eine einzige solche Zahl heißt Bit (binary
digit). Schreiben wir acht solcher Binärzahlen nebeneinander, so
haben wir ein Byte, mehr brauchen wir nicht, tatsächlich benötigen wir
fast immer nur vier Ziffern.
Zur
praktischen Erprobung gibt es eine wunderbare Schaltung, die Großartiges
leistet. Wir geben dieser Schaltung eine uns vertraute Dezimalziffer ein
und erhalten eine binäre Ziffer, die durch vier Leuchtdioden angezeigt
wird. Bei dieser praktischen Arbeit wollen wir differenzieren und den
Schülern Alternativen anbieten. So können Schüler, die sich mehr
zutrauen, die vier Leuchtdioden durch eine Ziffernanzeige ersetzen, sie
haben dann genau die Schaltung verlötet, wie sie in der Tastatur jedes
Taschenrechners zu finden ist. Oder als dritte Möglichkeit läßt sich
ein elektronischer Stundenplan aufbauen, oder der Schüler kreiert eine
eigene, ganz andere Schaltung.
Die drei genannten
Möglichkeiten arbeiten alle mit Dioden, mit drei bis vier Dutzend. In
Physik lernen wir parallel zum Technikunterricht, was eine Diode ist,
nämlich ein elektrisches Ventil, entweder läßt sie Strom fließen oder
sie sperrt. Anstelle von Dioden hätten wir auch richtige Ventile
verwenden können, und den Strom müßten wir durch Wasser oder Druckluft
ersetzen, das Ganze würde genauso funktionieren. Strom ist aber sehr viel
feiner, leichter und schneller als Luft oder Wasser, und deshalb können
Dioden so klein sein, das ist der entscheidende Unterschied.
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Der nebenstehende Schaltplan zeigt uns an einem einfachen
Beispiel, wie leicht das alles ist. Wir müssen nur den Weg verfolgen, den
uns die Pfeilrichtungen der Dioden anzeigen. Wenn wir beim Pluspol
losmarschieren, so wie der Strom auch, so kommen wir nur über einen
geschlossenen Taster weiter zum Minuspol. Dabei leiten uns die einzelnen
Dioden zu denjenigen Lampen, die bei der entsprechenden
Schalterbetätigung aufleuchten sollen. Die Diode verhindert dabei aber
auch, dass der Strom unkontrolliert rückwärts zu anderen Lampen fließen
kann.
Wenn
wir so verfahren, erkennen wir schnell:
Bei geschlossenem Schalter S1
leuchten die Lampen L1 und L2. Bei geschlossenem Schalter S2 leuchten die
Lampen L2 und L3. Bei geschlossenem Schalter S3 leuchtet nur die Lampe L3.
Und das war die Aufgabe, die zu lösen war.
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| Wenn
wir jetzt fortschreiten, so verwenden wir keine diskreten Bausteine mehr,
wie Dioden und Transistoren, sondern ICs. Das sind Bauelemente, die auf
minimalster Fläche Hunderte oder Tausende von Transistoren und Dioden
enthalten - absolute Meisterleistungen menschlicher Erfindungsgabe. In
diesen ICs finden wir die oben genannten drei Verknüpfungen. Wir haben
inzwischen gelernt, mit ihnen umzugehen. Wir können sie so hinschreiben
wie in der Mathematik die Addition oder die Multiplikation, nur ist es
einfacher, wir haben ja nur zwei Zahlen. Wenn wir schreiben ,,a + b",
so heißt das ,,a OR b", schreiben wir ,, ab", so bedeutet es
,,a AND b". Am besten verdeutlichen wir wieder durch ein einfaches
Beispiel:
Drei
Personen sollen über irgend etwas abstimmen. Eine Lampe y soll anzeigen,
falls eine Mehrheit zustimmt.
Zunächst
schreiben wir in einer Tabelle alle Möglichkeiten auf, die es gibt, es
sind acht. Dann sagen wir, eine Ja-Stimme entspricht einer ,,1", eine
Nein-Stimme einer ,,0". Die Lampe y soll leuchten, falls y den Wert
,,1" hat. Die Tabelle sieht dann so aus:
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Was wir links in der Tabelle sehen, können wir auch in
Worten hinschreiben:
Die
Lampe y leuchtet genau dann, wenn a und b zustimmen, oder wenn a und c
zustimmen, oder wenn b und c zustimmen, oder wenn a und b und c zustimmen.
In
unserer Formelsprache läßt sich das viel übersichtlicher und kürzer
formulieren:
y = ab + ac + be + abc
Diese
Formel läßt sich noch vereinfachen; auch dafür gibt es eine einfache
Methode und wir erhalten schließlich die logische Funktion:
y = ab + ac + be. |
| Wenn
wir die Funktionsgleichung ermittelt haben, dann ist die Schaltung schnell
zusammengelötet, wir brauchen nämlich nur einen einzigen IC, und der ist
weniger als ein Quadratzentimeter groß.
Nun, dieses einfache Beispiel zeigt uns etwas, wir haben zwar
zwei Zahlen, aber wir müssen nicht rechnen. Wir legen uns die Sachen so
geschickt zurecht, dass sie sich beinahe von selbst hinschreiben.
Doch
wir wollen am Ende des zehnten Schuljahrs tatsächlich schwierige
Zusammenhänge kennenlernen. Dazu benötigen wir zwei Schaltungen. Einmal
eine Schaltung, die Impulse zählen kann, einen Zähler, und dann eine
Schaltung, die diese Impulse erzeugt, einen Taktgenerator. Unser Zähler,
den wir bauen, kann zwar nur bis sechzehn zählen, aber das reicht. Unser
Impulsgenerator läßt sich mit zwei Transistoren oder mit einem kleinen
IC (555) aufbauen.
Jetzt
können wir einen Lottozahlen-Generator bauen.; das ist wirklich eine
anspruchsvolle Sache. Wir fangen den Zufall ein und simulieren den
gleichen Vorgang, der sich in einer großen Glasglocke zwischen 49 Kugeln
abspielt.
Zählschaltungen sind aber
längst nicht nur geeignet, um Pläsierapparate wie Würfel oder
Glücksspielmaschinen zu simulieren, sie verkörpern ein Universalprinzip,
nämlich dergestalt, dass sie festdefinierte Arbeitsvorgänge mit
beliebiger Periodizität gleichbleibend wiederholen. So können wir mit
unseren Zählschaltungen mehrere Motoren ansteuern, die sich je nach
Zählerstand drehen, linksherum und rechtsherum - genauso wie ein Roboter.
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